Mallory

Name: Mallory McMallard, beschäftigt bei: Puckworld Special Forces, Mighty Ducks, derzeitiges Einsatzgebiet: Erde, Familienstand: ledig, Vater: General David McMallard, Mutter: Marion McMallard (geborene Palefeather), Geschwister: Michael McMallard.
Würde ich diese Aufgabe, über meine Vergangenheit aufzuklären, rein militärisch angehen, wären die obigen Angaben durchaus ausreichend. Ich würde vielleicht noch die eine oder andere erfolgreich abgeschlossene Mission anführen, meinen Werdegang bei den Puckworld Special Forces etwas ausschmücken, mehr nicht.
Aber das, was ich hier zu sagen habe, ist weitaus persönlicher, deswegen reichen diese Angaben bei Weitem nicht.
Also, werden wir etwas persönlicher: Wie gesagt, ich wurde als Tochter von General David McMallard und Marion McMallard geboren und erhielt den Namen Mallory.
Meine Eltern haben sich immer gut verstanden, und das, obwohl sie grundverschieden sind. Mein Vater trat schon nach Abschluss seiner Schulausbildung den Puckworld Special Forces bei und hat dort Karriere gemacht. Meine Mutter ist Künstlerin, genauer gesagt Malerin. Während also mein Vater immer alles geordnet und genau durchstrukturiert haben wollte, zog meine Mutter das - wie sie es nannte - "geordnete Chaos" vor.
Ich muss gestehen, ich verstehe immer noch nicht, wie meine Eltern damals zueinander finden konnten. Meine Mutter hat mir einmal erzählt, dass sie sich zur Neujahrsfeier in DuCaine-City kennengelernt haben. Mein Vater war in ziviler Kleidung unterwegs, denn sonst hätte meine Mutter ihn gar nicht richtig wahrgenommen. Uniformierte interessierten sie nicht. Doch an diesem Abend trug meine Vater seine Uniform zum Glück nicht. Und so fielen sie einander auf. Die beiden verstanden sich gut, so gut, dass sie sich wenige Tage später zum Abendessen trafen. Auch hier tauchte mein Vater in Zivilkleidung auf. Die beiden hatten nie über ihre Berufe gesprochen, immer nur über Hobbies und gemeinsame Interessen. Es muss eine Fügung des Schicksals gewesen sein, dass die Berufsfrage erst auftauchte, als die beiden schon wussten, dass sie zueinander passten. Das war an besagtem zweitem Abend. Und meine Mutter hat es da nicht mehr abgeschreckt, dass mein Vater ein Berufssoldat war. Und meinem Vater war es auch egal, dass meine Mutter eine etwas chaotische Künstlerin war. Sie wussten einfach, dass sie zusammengehörten.
Natürlich hat es im Laufe der Jahre doch zu einigen kleinen Streitereien geführt, dass sie so unterschiedlich waren – beispielsweise, wenn Vater verzweifelt seine Uniformjacke suchte und sie dann in Mutters Atelier wiederfand, wo diese sie hingebracht hatte, um sich von der Farbgebung inspirieren zu lassen oder der Art und Weise, wie die Orden im Licht glitzerten.
Mutter hingegen hatte nicht nur einen Wutanfall, wenn Vater ihr Atelier aufräumte, da man seiner Ansicht nach in dem Chaos nichts mehr finden konnte. Tja, "man" konnte da vielleicht tatsächlich nichts mehr finden, Mutter schon. Und das hat sie ihm mehr als einmal lautstark mitgeteilt.
Über die Jahre hat sich zwischen den beiden ein Arrangement entwickelt. Im Haus herrscht mehr oder weniger Ordnung, woran alle in der Familie mitzuarbeiten hatten. Vater betrat Mutters Atelier nur nach deren ausdrücklicher Erlaubnis, im Gegenzug waren Vaters Schränke und Kommoden für Mutter tabu.
Diesem so unterschiedlichen Ehepaar, das sich aber über alles auf Puckworld liebte, wurde ich also als erstes von zwei Kindern geboren. Und ich muss sagen, ich hatte eine sehr glückliche Kindheit. Für meine Mutter durfte ich Modell spielen, wann immer ich wollte. Es gibt so viele Bilder, die sie von mir gemalt hat, dass man damit eine eigene Galerie füllen könnte. Und mein Vater übte mit mir allerlei Kampfsportarten. Zuerst wurde dies doch recht misstrauisch von meiner Mutter beäugt, aber mein Vater versicherte ihr, dass es einer weiblichen Ente nie und nimmer schaden konnte, wenn sie wusste, sich zu wehren.
Als ich fünf Jahre alt war, wurde mein Bruder Michael geboren. Ihn und mich verband und verbindet noch immer eine Art Hassliebe. Wie unter Geschwistern üblich kriegten wir uns des Öfteren in die Federn, nur hatte ich Mutters aufbrausende Art geerbt, Michael ebenso, und man kann sich vorstellen, wie unsere Streitereien dann verlaufen sind. Ich sage mal so: Einer von uns hatte am Ende bestimmt ein blaues Auge.
Im Laufe der Jahre hat sich das verbessert, aber wir wetteifern immer noch sehr miteinander. Michael ist sogar zum Militär gegangen, um mit mir weiter konkurrieren zu können. Aber leicht mache ich es ihm da bestimmt nicht. Da, wo ich bin, muss er erst mal hinkommen! Ha!
Weder Vater noch Mutter haben mich zu irgendetwas gedrängt. Und dass ich mich für Vaters Berufsweg entschieden habe, war Talent und Interesse geschuldet. Er hat mich da nicht irgendwie gedrillt oder so. Ich weiß, einige glauben das, aber nein, so war es nicht. Ich entschied aus freien Stücken, nach der Schule direkt auf die Militärakademie zu wechseln. Dass ich künstlerisch völlig unbegabt bin, mag vielleicht eine klitzekleine Rolle am Rande gespielt haben, mehr aber nicht. Ich glaube, Vater war das sogar etwas unangenehm, wenn er daran dachte, wie sein kleines Mädchen in Hinkunft in aller Herrgottsfrühe durch den Schlamm robben musste. Gesagt hat er nichts - schon gar nicht, als ich völlig begeistert nach den ersten Wochen nach Hause kam und alles haarklein und voller Freude wiedergab.
Was mich so daran fasziniert hat, weiß ich nicht. Es lag mir einfach im Blut, schätze ich. Nach dem Abschluss meiner Ausbildung legte ich eine ziemlich steile Karriere hin und hatte bald für mein doch noch recht zartes Alter einen hohen Rang inne. Mein Vater rannte nur mehr mit vor Stolz geschwellter Brust durch die Gegend, das könnt ihr mir glauben.
Es muss ungefähr zu dieser Zeit gewesen sein, als Michael beschloss, ebenfalls zum Militär zu gehen - sehr zum Leidwesen von Mutter, die befürchtete, er würde seine künstlerische Begabung verschwenden. Nun ja, er malt nun nur mehr in seiner Freizeit, aber dennoch ist er in Künstlerkreisen schon recht bekannt geworden. Das spricht durchaus für sein Talent. Seine militärischen Erfolge jedoch nicht. Ich bin mir sicher, dass er Einiges auf dem Kasten hat, aber seiner großen Schwester nachzueifern, ist vermutlich nicht die beste Art der Motivation. Das habe ich ihm mehr als einmal zu erklären versucht. Aber er lässt sich nicht davon abbringen. Wenn ich beim Militär bleibe, dann er auch.
Gut, zu behaupten, der Konkurrenzkampf hätte sich irgendwann auf das Militär beschränkt, wäre unfair. Ich hatte auch eine Phase, in der ich künstlerisch mit ihm mithalten wollte. Ich! Könnt ihr euch das vorstellen? Ich kann nicht mal Strichmännchen zeichnen. Und das hat man meinen Bildern oder besser gesagt: Schmierereien auch angesehen. Ich hab's bald aufgeben, denn ich hatte ja das gefunden, was ich gut konnte.
Mein Bruder braucht da vielleicht noch ein bisschen Zeit, aber er wird es auch noch lernen. Seine Begabung ist die Kunst, meine der Kampf. Vielleicht stellt er mich ja eines Tages, wenn wir endlich wieder zurück auf Puckworld sind und er ein berühmter Künstler ist, als Bodyguard ein. Das wäre bestimmt lustig. Denn abgesehen von diesen Differenzen verstehen wir uns ja ausgezeichnet. Das heißt, wenn er noch am Leben ist. Das weiß ich nämlich nicht. Aber ich eile der Geschichte voraus.
Also, es war dann so, dass mein Bruder und ich beide beim Militär landeten. Ich machte mich sehr gut, mein Bruder mehr schlecht als recht, aber er hielt sich wacker. Und das hat ihm den Respekt meines Vaters eingebracht - weil er einfach nie aufgegeben hat.
Ich liebte meinen Job. Die Puckworld Special Forces waren der perfekte Arbeitgeber für mich. Nun ja, wenn es nicht gerade darum ging, irgendwelche Computerarbeiten zu erledigen. Das Nötigste bekam ich hin, aber alles, was über den tagtäglichen Umgang mit dem Computer hinausging, war ein Mysterium für mich. Die peinlichste diesbezügliche Episode meiner Karriere kennen wir ja alle. Und ich bin mir sicher, dass jetzt auch alle wissen, was der Unterschied zwischen einem Kippschalter und einem Knopf ist.
Diese Episode hat auch dazu geführt, dass ich beschlossen habe, mich mehr mit Maschinen auseinanderzusetzen. Ich mag sie nach wie vor nicht, aber ich muss sie ja nicht lieben. Ich muss nur wissen, wie man mit ihnen umgeht. Und mittlerweile kenne ich mich sogar mit Bomben aus. Davor konnte ich nur mit Schusswaffen sehr gut umgehen. Um auch den Umgang mit Bomben, Computern, etc. zu lernen, habe ich einen kleinen psychologischen Trick angewandt. Ich habe mir immer wieder vorgesagt, dass das ja auch Waffen seien. Für Bomben stimmt das sogar augenscheinlich, bei Computern sage ich mir einfach, dass das Waffen für den Cyberwar sind. Und bis jetzt bin ich ganz gut damit gefahren. Sicher, an Tanya werde ich nie heranreichen, aber für meine Bedürfnisse reicht, was ich weiß, völlig aus.
Ach ja, vielleicht sollte ich auch noch auf mein Liebesleben zu sprechen kommen. Das mag ja manche interessieren. Also, ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass sich diesbezüglich in meinem Leben nicht viel getan hat. Ich war mit meinem Job verheiratet. Sicher, ich hatte die eine oder andere kurze Beziehung, aber wie gesagt, die waren immer kurz. Das Militär ist ja nun nicht gerade beziehungsfreundlich – wieder etwas, wofür ich meine Eltern bewundere, denn sie blieben trotz der Umstände zustimmen. Mir hingegen ging auch nicht wirklich etwas ab, ich hatte Kürzestbeziehungen und Affären, das war genug. Ich genoss die Aufmerksamkeit der Erpel zwar stets (ganz ehrlich, mir war immer bewusst, dass ich ganz passabel aussehe, und manchmal lege ich es auch echt auf Komplimente an - für's Selbstbewusstsein, ihr versteht?), aber sobald der Job rief, war ich binnen Sekunden wieder im Soldatenmodus.
Das hat sich etwas geändert, seit wir auf der Erde sind. Hier habe ich Freunde, nicht bloß Kameraden. Und ich glaube, ich habe mich auch verliebt. In wen? Nun, das behalte ich schön für mich. Es wäre auch viel zu kompliziert, wenn das rauskäme. Also, brav den Schnabel halten, Mallory, darüber kannst du dann wieder nachdenken, wenn du zurück auf Puckworld bist. Aber ich schweife wieder ab.
Also, mein Vater arbeitete weiterhin bei den Puckworld Special Forces, allerdings in einer anderen Abteilung als ich, mein Bruder war noch bei der Grundausbildung, und meine Mutter brachte ihre Tage im Atelier zu. Alles in allem ein sehr gutes Leben.
Doch dann griffen die Saurier an. Ich war gerade im Einsatz in der Wüste und hatte daher zu Anfang überhaupt keine Ahnung, was mit meiner Familie passiert war. In dem Chaos, das nach dem Angriff ausbrach, schaffte ich es irgendwie, mich nach Hause durchzukämpfen, traf aber dort niemanden an. Schlimmer noch: Das Haus war zerstört. Das Haus meiner Kindheit, in dem ich so viele schöne Stunden verbracht hatte, war ein Trümmerhaufen. Drei Tage lang suchte in den Trümmern nach meinen Eltern und meinem Bruder. Als ich nichts finden konnte, was darauf hinwies, dass sie sich zum Zeitpunkt des Einsturzes im Haus befunden hatten, atmete ich erleichtert auf. Doch gleich darauf wurde ich wieder ernst, denn ich hatte keine Ahnung, wo sie waren. Und ich wusste auch nicht, wo ich mit dem Suchen anfangen sollte. Aber ich fing einfach damit an. Und wenn ich schon mal dabei war, nachts durch die zerstörten Straßen zu schleichen, konnte ich auch gleich ein paar Hunterdrones erledigen. Auf einem dieser Streifzüge erfuhr ich, dass Überlebende des Militärs sich neu formiert hatten. Mit meinem Wissen aus Militärzeiten, etwas Glück und viel Können (oder auch umgekehrt) fand ich die geheime Basis des Widerstandes.
Und dort - ich konnte es kaum fassen - fand ich auch meine Eltern wieder. Es war ein tränenreiches Wiedersehen.
Ich fragte auch sogleich nach meinem Bruder, aber meine Eltern wussten nichts über seinen Verbleib. Auch weitere diesbezügliche Erkundigungen brachten mich nicht weiter. Ich bekam lediglich heraus, dass das Camp, in dem er zum Zeitpunkt des Angriffs gewesen war, völlig zerstört worden war. Niemand wusste, ob es Überlebende gegeben hatte. Ich war mir aber sicher, dass mein Bruder noch am Leben war. Ich bin es jetzt noch. Er hat nie aufgegeben, egal, wie aussichtslos die Situation auch war. Da können ihm ein paar Saurier schon gar nichts anhaben. Davon bin ich überzeugt.
Bald, nachdem ich zum Widerstand gestoßen war, fragte Canard bei mir wegen diesem Spezialeinsatz nach. Ich musste nicht lange überlegen und schloss mich der Mission an. Das einzig Schlimme daran war der Abschied von meinen Eltern, aber beide wussten, dass das, was ich tat, wichtig war, und wünschten mir alles Glück Puckworlds.
Wie die Mission ausging - nun, ich denke nicht, dass ich das wiedergeben muss. Das hat sich herumgesprochen. Und nun sitze ich eben auf der Erde fest. Aber das ist in Ordnung, denn ich werde nicht zurückkehren, bevor wir Draganus dahin zurückgeschickt haben, wo er hergekommen ist. Wir werden ihn besiegen, da bin ich mir sicher.
Als Andrea zu uns stieß, hatte ich gehofft, mehr über den Verbleib meiner Familie zu erfahren, doch sie wusste auch nur, dass es meinen Eltern gut ging. Dass ich einen Bruder hatte, war ihr nicht bekannt. Sie hatte also auf Puckworld auch nichts von ihm gehört.
Ich war am Boden zerstört, denn das konnte nur heißen, dass er tatsächlich nicht mehr am Leben war. Aber bald schüttelte ich diesen Gedanken wieder ab. Er und ich sind Geschwister, und wir standen uns immer sehr nahe. Ich würde es einfach spüren, wäre er nicht mehr am Leben. Und ich spüre nichts dergleichen. Ergo kann er nur am Leben sein. Er lebt. Ganz bestimmt. Wer weiß schon, was in jener Nacht, als sein Camp überfallen wurde, tatsächlich passiert ist. Vielleicht wurde er verletzt oder er ist schlimm gestürzt, hat sich den Kopf angeschlagen und sein Gedächtnis verloren oder er hat sich irgendwo versteckt und weiß bis heute nicht, dass der Kampf gegen die Saurier vorbei ist. Ganz egal, was es auch ist, sobald ich wieder auf Puckworld bin, werde ich ihn suchen. Und ich werde ihn finden, selbst wenn ich jeden Stein des Planeten einzeln umdrehen muss. Ich finde dich, Michael! Große-Schwestern-Ehrenwort!
Aber zuvor muss ich Draganus noch für all das büßen lassen, was er unserem Volk, unseren Eltern und auch dir, Michael, angetan hat! Und ich schwöre dir: Er wird büßen.
Und danach komme ich dich suchen.
Mallory McMallard, over and out.

ENDE

Kommentieren