Episode 13: Die Former

In der Wüste in der Nähe von Anaheim zuckten Blitze in der Dunkelheit der Nacht, und ein dimensionales Tor öffnete sich. Heraus sprang eine kleine Gestalt. In der Finsternis war sie nicht genau zu erkennen, aber sie sah sich kurz um und suchte dann hinter einem Felsen Deckung. Schnell drückte sie einen Knopf auf dem kleinen Gerät an ihrem Unterarm und ein roter Punkt leuchtete auf.
„Da bist du also, Howie“, sagte die Gestalt. „Keine Angst, ich komm dich holen.“

Im Hauptquartier der Ducks hatten sich alle zu einem gemütlichen Abend im Gemeinschaftsraum versammelt. Es gab Popcorn und einen Actionfilm, den natürlich mal wieder Nosedive ausgesucht hatte, immerhin machte er sonst immer einen Riesenaufstand, wenn die Mädels sich mit ihren Filmen durchsetzten. Also hatte es sich eingebürgert, dass Nosedive die Filme für die DVD-Abende aussuchte.
Doch gerade, als der Film besonders spannend war – es ging auch gerade im Film ein Alarm los –, ging auch in der Realität ein Alarm los, und zwar der von Drake One. Die Enten blieben einfach sitzen.
„Wow“, sagte Nosedive. „Das neue Soundsystem ist spitze, Tanya. Das hört sich so richtig echt an!“
„Ja, wirklich genial“, pflichtete Mallory ihm bei.
Doch dann sahen die sieben sich an. Es dämmerte ihnen, dass es sich doch um einen echten Alarm handeln könnte. Es lag vielleicht daran, dass der Film gerade eine Verfolgungsjagd zeigte. Und der Alarm, den sie hörten, klang so gar nicht nach Polizeisirenen.
Wie von der Tarantel gestochen sprangen alle auf und stürmten los in den Computerraum.
Tanya war als Erste dort und machte sich bereits an der Tastatur zu schaffen.
„Okay“, erklärte sie. „Irgendjemand hat unser Sicherheitssystem überwunden und muss nun irgendwo hier im Haus unterwegs sein.“
„Alles klar.“ Wildwing nickte. „Leute, schnappt euch eure Waffen. Wir teilen uns auf. Keiner geht alleine. Und wer etwas findet, meldet sich sofort über Funk.“
Seine Teamkollegen nickten und taten, wie ihnen geheißen.
Zwei Stunden später kehrten Wildwing und Nosedive in den Computerraum zurück.
„Mann, der Kerl muss unsichtbar sein“, stellte Nosedive seufzend fest und ließ sich auf den Stuhl vor der Computerkonsole sinken.
„Er ist zumindest gut darin, sich zu verstecken“, pflichtete Wildwing seinem Bruder bei.
Danach betraten Duke und Grin den Raum, aber auch sie sahen eher frustriert aus.
Als Letztes trudelten Mallory, Tanya und Andrea ein. Die vier Erpel sahen die drei hoffnungsvoll an, aber diese antworteten nur mit Kopfschütteln.
„Verdammt!“, schimpfte Nosedive. „Wo steckt der nur?“
„Kann es sein, dass es ein Fehlalarm war?“, fragte Mallory.
„Nein.“ Tanya schüttelte den Kopf. „Ich hab das Sicherheitssystem erst vor kurzem gecheckt. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich jetzt ein Fehler eingeschlichen hat.“
„Aber nicht unmöglich“, warf Wildwing ein.
„Unmöglich nicht“, gab Tanya zu.
„Okay, da wir nichts gefunden haben, wird es wohl ein Fehlalarm gewesen sein. Machen wir Schluss für heute“, sagte Wildwing, und die anderen sechs Enten nickten. Langsam trotteten sie aus dem Computerraum. Auch Nosedive sprang auf und folgte den Anderen.

Es war einige Zeit vergangen, der Computerraum lag im Dunkeln, doch auf einmal bewegte sich etwas. Eine Abdeckplatte am Gehäuse von Drake One wurde zur Seite geschoben, und zwischen Drähten und Kabeln kroch eine Gestalt hervor und reckte sich erst mal ausgiebig.
„Autsch“, jammerte die Gestalt. „Da hab ich sicher eine Woche lang Kreuzschmerzen.“ Dann sah sie auf ihren Unterarm, wo ein rotes Licht blinkte.
„Also, wo genau bist du nun, Howie?“, fragte sie. „Laut Peilsender genau unter mir. Aber wo, wo, wo?“ Aufgeregt hüpfte die Gestalt herum. Sie sah dabei gewissermaßen wie ein Känguru aus.
Plötzlich war ein Geräusch zu hören, und die Gestalt fand sich gefesselt wieder. Sie verlor das Gleichgewicht und stürzte zu Boden. Es war ein Fesselpuck auf sie abgeschossen worden. Fast im selben Augenblick ging auch das Licht an.
„Du hattest Recht, Wing“, sagte Andrea, die gerade aus dem Lüftungsschacht kletterte, eine Puckkanone an ihrem Gürtel. „Er war die ganze Zeit hier.“
Die Tür des Computerraumes schwang auf, und Wildwing, Mallory, Grin, Tanya und Nosedive kam herein. Duke verließ soeben auch sein Versteck bei den Fahrzeugen und erklomm die Stufen zur Plattform, auf der Drake One stand.
„Das war zu erwarten“, sagte Wildwing. „Immerhin war das der einzige Raum, den wir nicht so genau durchsucht haben.“
„Und es ist immer besser abzuwarten, bis der Gegner sich selbst hervorwagt“, sagte Grin in seiner ruhigen Stimmlage. „Es spart Energie und unnötige Kämpfe.“
„Okay, und wer ist unser Freund hier nun?“, fragte Nosedive und sah auf den Gefangenen hinab.
„Sizzle!“, zischte der Gefangene. „Mein Name ist Sizzle! Und jetzt nehmt mir verdammt noch mal die Fesseln ab!“
„Ja, genau, machen wir das doch!“, gab Nosedive fröhlich zurück und beugte sich hinunter. Dann wurde sein Blick ernst. „Du hältst uns wohl für völlig verblödet.“
„Nein, ich halte euch für Enten von Puckworld“, erwiderte Sizzle und richtete sich etwas auf. „Können wir bitte wie zivilisierte Außerirdische miteinander reden?“
Nosedive besah sich ihren Fang genauer. Sizzle war etwa einen Meter groß. Sein Körper war von lavendelfarbenen Schuppen bedeckt. Seine Beine ähnelten dem eines Kängurus, auch wenn sie offensichtlich ein Gelenk mehr hatten, denn sie waren quasi zweimal geknickt. Sizzles Arme waren recht kurz, seine Hände aber hatten lange kräftige Finger mit Klauen. Auch seine Füße wiesen Klauen auf. Der kleine Außerirdische trug kurze, braune Hosen und ein Hemd eine Mütze. Sein Gesicht ähnelte auch eher dem einer Echse, allerdings hatte er lange schwarze Haare, die er zu einem Zopf gebunden hatte, und er trug eine Mütze. Diese Mütze war mit zwei Löchern versehen, aus denen Sizzles Ohren hervorguckten. Es waren lange Ohren, ähnlich denen eines Hängeohrenkaninchens.
Nosedive hob den kleinen Außerirdischen hoch und setzte ihn erst mal auf einen Stuhl.
„Danke“, sagte dieser. „Und wenn ihr mir jetzt noch die Fesseln abnehmen könntet.“
„Sag uns lieber zuerst, was du hier willst.“ Wildwing hatte Sizzle vorsorglich noch schnell mit der Maske gescannt. „Bist du ein Saurier?“
„Ich, ein Saurier?“ Sizzle sah richtig bestürzt aus. „Ich bin ein Loperianer! Habt ihr noch nie einen Loperianer gesehen?“
„Ehrlich gesagt, nein“, erwiderte Wildwing und kratzte sich am Kopf. „Entschuldige. Aber was will ein Loperianer hier?“
„Ich suche einen Freund.“
„Es ist noch so einer wie du hier?“, fragte Tanya überrascht.
„Also, wenn ich könnte, würde ich mir jetzt gerne mit der Hand gegen die Stirn schlagen“, sagte Sizzle. „Ich habe keine Zeit für so was! Ich muss meinen Freund so schnell wie möglich finden!“
„Wieso musst du ihn so schnell finden?“, fragte Mallory.
„Ganz einfach“, erwiderte Sizzle. „Weil dieser Planet nicht mehr lange existieren wird.“

Währenddessen ging der Letzte der Saurian Overlords auf der Brücke der Raptor unruhig auf und ab. Schließlich hielt er vor der Konsole des Computer- und Steuersystems inne und drückte ein paar Tasten. Ungläubig riss er für einen Moment die Augen auf, startete dann aber sein Funkgerät und brüllte aus Leibeskräften: „Chameleon, komm sofort auf die Brücke!“
Wenig später stolperte ein ziemlich verschlafener Chameleon herein. Er trug einen gestreiften Pyjama, hatte einen Teddybären unter den Arm geklemmt und eine Nachtmütze auf dem Kopf.
„He, Boss, nur weil du vor lauter Welteroberungspläne-Schmieden nicht schlafen kannst, muss das nicht auch für alle Anderen gelten. Ich brauche meinen Schönheitsschlaf“, maulte Chameleon und gähnte.
Draganus packte ihn am Kragen und schnaubte.
„Andererseits denke ich, ich bin schön genug“, stieß die grüne Echse daraufhin hervor.
Draganus stieß Chameleon zur Computerkonsole der Raptor.
„Hast du wieder an den Knöpfen rumgespielt?“ Der Saurian Overlord ballte die Fäuste.
„Ähm, nein, Boss“, gab Chameleon zur Antwort. „Nicht, seit ich irrtümlich diese neue Ente auf die Erde geholt habe. Obwohl du mir das damals sogar befohlen hast.“
Draganus knurrte hörbar.
„Ich hätte natürlich auch andere Koordinaten als die von Puckworld nehmen können, das ist schon wahr, jaja“, sagte daraufhin Chameleon und kicherte unsicher.
„Dann erklär mir, wieso heute Nacht ein dimensionales Tor geöffnet wurde. Die Scanner der Raptor zeigen das eindeutig an.“ Draganus deutete mit dem Zeigefinger auf die Konsole.
„Ich habe keine Ahnung, Boss. Ich war’s nicht, ich schwöre.“
Draganus knurrte wieder und machte sich dann an der Konsole zu schaffen.
„Du hast Recht“, sagte er dann.
„Sag ich doch!“, erwiderte Chameleon. „Du könntest mir ruhig mal was glauben.“
„Das dimensionale Tor wurde nicht über den Gateway-Generator geöffnet“, murmelte Draganus. „Aber irgendjemand ist auf die Erde gekommen. Aber wer?“

Besagter Jemand saß immer noch gefesselt im Computerraum der Ducks.
„Wartewarte!“, sagte Wildwing gerade und hob abwehrend die Hände. „Du tauchst hier auf, sagst, dass du einen Freund finden willst, und das alles, weil die Erde bald nicht mehr existieren wird?“
Sizzle nickte.
„Geht’s auch etwas genauer?“, seufzte Wildwing.
Sizzle sah sich in der Runde um. Okay, einfach so würden sie ihn wohl nicht gehen lassen. Da konnte er auch gleich die Wahrheit sagen. Die halbe Stunde hatte er noch. Das hoffte er zumindest.
„In Ordnung. Was wisst ihr über das dimensionale Gefängnis oder die dimensionale Zwischenwelt oder wie ihr diese Dimension sonst noch so nennt?“
„Drake DuCaine hat die Saurier vor Jahrhunderten dorthin verbannt“, erklärte Tanya. „So steht es zumindest in den Geschichtsbüchern."
„Und im Drehbuch“, ergänzte Nosedive.
„Mehr wisst ihr nicht?“ Sizzle schüttelte den Kopf. „Das ist echt mager.“ Dann holte er Luft. „Also, das dimensionale Gefängnis ist eine Welt, in der die sogenannten Former leben. Diese können diese Welt nach ihren Wünschen gestalten und verändern. Einzig und allein im Mittelpunkt dieser Welt, können sie das nicht. Dort bleibt alles fest bestehen. Dieser Ort wird ‚Kern‘ genannt, und dort leben die Former auch. Vor etlichen Jahrhunderten schaffte es Drake DuCaine über Magie, mit den Formern Kontakt aufzunehmen. Er erbat die Erlaubnis, die Saurier dorthin verbannen zu dürfen. Den Formern ist so etwas prinzipiell egal, solange sie neutral bleiben können. Da sie ihre Welt ja weiterhin umgestalten konnten, wie es ihnen gefiel, erlaubten sie es Drake DuCaine. Nach und nach taten aber auch andere Völker dasselbe, und bald tummelte sich eine bunte Mischung von Verbrechern und jenen, die man hatte loswerden wollen, in der Welt der Former.“
„Warte, können die dann nicht auch von den Formern, na ja, ‚umgeformt‘ werden?“, fragte Tanya neugierig.
„Nein. Das geht nur mit dem, was in der Welt schon immer vorhanden war. Wenn du dort landest, bleibst du mit allem, was du bei dir trägst so wie immer. Na ja, älter wirst du halt. Aber das Leben dort ist unglaublich schwer. Du legst dich unter einem Baum schlafen, und es kann passieren, dass du mitten in der Nacht in einem See aufwachst. Schlimme Sache. Insofern war diese Welt das perfekte Gefängnis, denn man konnte dort nicht viel anstellen. Allerdings sahen die Former irgendwann ein, dass sie sich und den Kern auch schützen mussten. Deswegen entwickelten sie die B.R.A.W.N.s. Da ihnen fast nichts schaden kann, waren sie die perfekten Bodyguards. Und auf der Suche nach so einem bin ich. Er wurde vor einiger Zeit hierher geschickt, um Draganus zu fangen.“
Die Ducks sahen sich an.
„Wir wissen, wen du meinst“, erklärte Wildwing. „Und wenn das stimmt, was du sagst, werden wir ihn dir übergeben. Aber zuerst erklär mir, warum die Former es gerade auf Draganus abgesehen haben. Ich dachte, sie wären neutral.“
„Sind sie auch“, bestätigte Sizzle. „Allerdings ist die Sache mit Draganus was Persönliches. Der Gute…ähm…Böse hat vor gut einem Jahrzehnt den Kern angegriffen und einigen Schaden dort angerichtet. Daraufhin haben sie ihn in Einzelhaft gepackt, gut bewacht von B.R.A.W.N.s. Doch das Schlitzohr ist selbst da entkommen, und schließlich hat er auch noch einen Weg gefunden, mit fast seiner ganzen Streitmacht aus dem dimensionalen Gefängnis zu fliehen. Ihr könnt euch denken, dass die Former entsprechend sauer sind.“
„Aber das war doch vor einem Jahrzehnt! Haben sie da nicht ein bisschen lange gebraucht?“, fragte Andrea.
„Schätzchen, Zeit ist so ne Sache für die Former. Für sie vergeht die Zeit nämlich in dem Sinne nicht. Deswegen bekommen sie manches erst sehr spät mit“, antwortete Sizzle.
„Nenn mich nicht ‚Schätzchen‘“, zischte Andrea und verschränkte die Arme, ehe sie in normaler Tonlage fortfuhr. „Und wie bist du dann hier gelandet? Scheinst dich ja sehr gut auszukennen.“
„Also, Schä…“ Andrea warf Sizzle einen so bösen Blick zu, dass er das Wort nicht fertig aussprach. „Weißt du, Sü…“ Wieder ein böser Blick. Sizzle holte tief Luft. „Also, meine Liebe, das ist so: Es sind auch immer mehr Leute im dimensionalen Gefängnis gelandet, die eigentlich nicht dorthin gehören. Manche Völker können dimensionale Tore aufbauen, einige durch Technik, einige durch Magie, aber keiner hat so ein wirksames Gerät wie Draganus. Keine Ahnung, wie der das hingekriegt hat, ist aber echt ein Meisterstück, das muss ich neidlos anerkennen. Einzig die Former haben was Vergleichbares. Mein Volk hat bestimmte Magier, die das können – einmal in fünfzig Jahren. Sagen wir so, dank ein paar gefinkelter Intrigen hat man den Oberboss etwas sehr sauer auf mich gemacht, weswegen er mich verbannen ließ. Die Former haben irgendwann gemerkt, dass auch Leute wie ich, also Unschuldige in ihrer Welt festsaßen, die das eigentlich nicht verdient haben. Wenn du dich bewährst, kriegst du daher – eine ordentliche Portion Glück vorausgesetzt – die Chance, für sie zu arbeiten, in meinem Fall bei den Streitkräften. Mittlerweile bin ich Offizier und genieße das Privileg, mir selbst dimensionale Tore anfordern zu können. So bin ich hier gelandet.“
„Wieso gehst du nicht einfach nach Hause?“, fragte Nosedive.
„Das würden die Former nicht zulassen. Sie lassen dich gehen, wenn sie es für richtig halten, und so was kann dauern“, erklärte Sizzle und zuckte mit den Schultern. „Wenigstens hab ich jetzt ein fixes Bett. Immerhin wohn ich jetzt auch im Kern.“
„Und woher wissen wir, dass du die Wahrheit sagst?“, fragte Wildwing.
Sizzle machte eine Kopfbewegung zur Seite hin. „Dreh mal den Kragen meines Hemdes um.“
Wildwing tat, wie ihm geheißen – und tatsächlich, da prangte eine Marke, die fast genauso aussah wie die, die er damals auf B.R.A.W.N.s Arm gesehen hatte.
„Okay.“ Der weiße Erpel nickte. „Und was hat es nun damit auf sich, dass die Erde bald nicht mehr existiert?“
„Ich habe gesagt, dass die Sache zwischen den Formern und Draganus inzwischen was Persönliches ist. Sie haben rausgekriegt, dass er nun hier ist. Und jetzt wollen sie ihn vernichten – und sicherheitshalber den ganzen Planeten dazu.“
Den Ducks klappten die Schnäbel auf.
„Wann?“, fragte Grin.
„Im Morgengrauen.“
„Das ist doch schon in ein paar Stunden!“ Tanya sah sich hektisch um.
„Was du nicht sagst!“, gab Sizzle zurück. „Ich hab doch gesagt, ich hab keine Zeit.“
Wortlos löste Wildwing Sizzles Fesseln.
„Wunderbar“, sagte dieser. „Und wo ist jetzt Howie?“
„Howie?“ Wildwing sah verwundert auf Sizzle.
„Der B.R.A.W.N..“, erklärte dieser. "Ich nenn ihn ‚Howie‘." Wildwing drückte einen Knopf auf Drake Ones Konsole, und der Safe, indem sie allerlei „Souvenirs“ aufbewahrten, wurde aus dem Boden hochgefahren. Wildwing öffnete ihn.
„Oh, hallo, mein Freund!“, war sogleich B.R.A.W.N.s blecherne Stimme zu hören. „Wie schön, dass du mal wieder vorbeischaust!“
„Hallo, B.R.A.W.N.”, sagte Wildwing und holte den Kopf des Roboters heraus. „Hier ist jemand, der dich abholen will.“ Und mit diesen Worten wandte er sich um und hielt Sizzle den Kopf hin.
„Sizzle!“, rief B.R.A.W.N. sofort. „Hast du mich vermisst?“
„Aber so was von, Howie!“, erwiderte Sizzle und nahm den Kopf in seine Hände. „Komm, Kumpel, wir müssen abhauen. Hier geht’s bald zu wie damals, als sich die Charonianer mit den Orionern gestritten haben.“ Er sah die sieben Enten an. „Also dann, noch ein schönes, ähm, Leben.“
Und schon wollte Sizzle wieder davon hüpfen, doch Wildwing hielt ihn auf, indem er ihm eine Hand auf die Schulter legte.
„Nicht so schnell“, sagte der Teamcaptain. „Wir müssen die Zerstörung dieses Planeten verhindern. Und du wirst uns dabei helfen.“

Stunden später – es war nicht mehr lange bis zum Sonnenaufgang – fuhr der Migrator durch die Straßen der Stadt. In seinem Inneren befanden sich die sieben Ducks – und Sizzle, der B.R.A.W.N.s Kopf in der Hand hielt.
„Ich verstehe immer noch nicht, wie ihr mich dazu überreden konntet“, maulte der Loperianer.
„Ganz einfach, du willst auch nicht, dass Unschuldige sterben“, gab Wildwing, der den Migrator lenkte, zurück. „Und weil es in deinem Vertrag steht“, fügte er mit einem Grinsen hinzu.
Sizzle seufzte. „In Zukunft muss ich mir so was besser durchlesen.“
Wildwing hielt den Migrator an, und die Ducks samt Sizzle stiegen aus.
„Und du bist dir sicher, dass die Raptor hier versteckt ist?“, fragte Mallory an Sizzle gewandt.
„Ich hab die Pläne gesehen, also ja“, erwiderte Sizzle der langsam neben den Enten hersprang.
Sizzle hielt an, und die Ducks blieben nun auch stehen. „Da vorne muss es irgendwo sein“, erklärte der Loperianer.
Wildwing machte ein paar Schritte nach vorne, schaltete die Maske ein und scannte die Umgebung. Dabei erkannte er sofort, dass sich hinter einem Hochhaus ihnen schräg gegenüber die Raptor verbarg.
„Sizzle hat die Wahrheit gesagt“, erklärte der Teamcaptain.
„Ach, echt?“, erwiderte Sizzle. „Kann ich jetzt endlich gehen?“
Sofort hüpfte er nach hinten – und somit genau in Nosedive hinein.
„Moment mal, Kleiner“, sagte dieser. „Ich hab noch ne wichtige Frage.“
„Und die wäre?“, fragte Sizzle genervt.
Nosedive musterte den Loperianer. „Wie bindest du dir eigentlich die Schuhe zu?“ Er sah sich Sizzles kurze Arme im Vergleich zu seinen langen Beinen genauer an. „Also, wenn du Schuhe tragen würdest.“
Sizzle schlug sich mit der Hand gegen die Stirn. „So eine Frage muss ich echt nicht beantworten, wenn sie von jemandem kommt, der wohl nur mit Strohhalm trinken kann.“
„Strohhalm? Wie kommst du darauf? Also ehrlich!“, empörte sich Nosedive.
„Schluss jetzt!“, mischte sich Wildwing ein. „Aber Nosedive hat Recht, Sizzle. Du kannst noch nicht gehen.“
Sizzle seufzte. „Ich hab’s befürchtet.“
„Okay, Leute“, sagte Wildwing zu seinem Team. „Beziehen wir Stellung.“
Mit diesen Worten setzten sich die sieben Enten und Sizzle in Bewegung.
„Also, Sizzle, was hab ich so verpasst?“, fragte da B.R.A.W.N..
„Erzähl ich dir später“, erwiderte der Loperianer. „Wenn wir dann noch leben.“
„Alles klar“, erwiderte B.R.A.W.N. und lachte blechern.
Die Ducks stellten sich vor der Raptor auf, allerdings mit dem Rücken zu dieser, und warteten.

„Lord Draganus!“, meldete sich Siege auf der Brücke der Raptor zu Wort. „Die Enten sind hier!“
„Was?!“, brüllte der Saurian Overlord. „Wie konnten sie uns hier finden? Schickt die Hunterdrones raus!“
Siege nickte, und wenig später erschienen mit dem typischen Fauchen einige Hunterdrones vor der Raptor und umzingelten die Enten.
„Und ich wollte schon fragen, wann die Saurier merken, dass wir hier sind“, stellte Duke fest. „Das kann ich mir jetzt wohl sparen.“
Und mit diesen Worten zückte er seinen Säbel, aktivierte diesen und wehrte den ersten Laserschuss mit der Klinge ab. Dann hieb er dem Hunterdrone, der geschossen hatte, den Arm ab, ehe er ihn endgültig entzwei schlug.
Andrea nahm ihren Bumerang-Puck zur Hand und warf ihn auf einen Hunterdrone, sodass dessen Arm zur Seite gedrückt wurde und er statt auf die Ducks auf einen anderen Hunterdrone schoss. Andrea fing ihren Bumerang-Puck wieder auf, ließ ihre Eisenkrallen hervorschnellen und stürzte sich dann ebenfalls in den Kampf.
Grin war bereits dabei, einen Hunterdrone nach dem anderen mit bloßen Fäusten in kleine Stücke zu zerlegen.
Tanya schoss mit ihrer Puckkanone auf ein paar Hunterdrones, ebenso wie Nosedive. Und Mallory wechselte zwischen Nahkampf und Puckkanonenschüssen ab.
Einzig Wildwing hielt sich heraus. Er und Sizzle standen fast bewegungslos da.
„Draganus!“, brüllte er in Richtung der Raptor. „Pfeif deine Maschinen zurück. Wir sind hier, um dir zu helfen.“
„Ja, natürlich, Wildwing“, war Draganus‘ sarkastische Antwort über Lautsprecher. „Sonst noch Wünsche?“
„Ein Cheeseburger und ne Cola wären ganz nett“, erwiderte Nosedive, während er einen Hunterdrone in Stücke schoss.
Doch kaum war das geschehen, zog auf einmal ein Wirbelsturm auf. Die Ducks und die wenigen Hunterdrones, die noch übrige waren, hielten augenblicklich in ihrem Kampf inne und starrten nach oben. Unter Blitzen öffnete sich ein riesiges dimensionales Tor. Das sahen auch Draganus und seine Gefolgsleute und starrten mit großen Augen darauf.
Auf einer fliegenden Plattform, die sich nun langsam durch das Tor schob, standen vier Wesen, die Draganus nur allzu bekannt vorkamen.
„Die Former!“, stieß der Overlord hervor.
Hinter der Plattform sprangen Massen von B.R.A.W.N.s durch das dimensionale Tor und landeten auf der Straße, sodass die Erde nur so bebte. Dann schloss das Tor sich wieder.
„Du bist dran, Sizzle“, sagte Wildwing zu seinem kleinen Begleiter. Dieser nickte nur und drückte Wildwing B.R.A.W.N.s Kopf in die Hand. Dann hüpfte er nach vorne.
„Euer Gnaden, Euer Gnaden!“, rief er zu der Plattform hinauf. „Hier spricht Sizzle, Offizier Eurer Streitkräfte. Ein Nachfahre Drake DuCaines bittet darum, das Wort an Euch richten zu dürfen!“
Die Former schienen ihn gehört zu haben, denn die Plattform näherte sich dem Boden.
Nosedive, Grin, Tanya, Mallory, Duke und Andrea bezogen neben Wildwing Stellung. Dieser reichte B.R.A.W.N.s Kopf an Mallory weiter.
Die Plattform sank vor den Ducks zu Boden und die Former traten an ihren Rand. Es waren langbeinige Wesen mit langen Fingern, einer schlanken Gestalt. Ihre Haut war bläulich-grau, ihre Augen, die in einem Gesicht mit einer sehr kleinen Nase saßen, waren extrem groß und schwarz. Haare hatte keiner der Former.
„Ich kenne diese Maske“, sagte einer der Former mit einer weiblich klingenden Stimme.
„Sprich, Erbe Drake DuCaines“, befahl ein anderer mit dunkler Stimme.
„Danke“, erwiderte Wildwing. „Ich weiß, dass Ihr vorhabt, Draganus zu vernichten. Ich kann das gut verstehen. Er hat meinem Volk viel Leid zugefügt. Aber auch gleich den ganzen Planeten zu zerstören, ist der falsche Weg. Es würden viele Unschuldige sterben.“
„Den Planeten zu zerstören, würde garantieren, dass auch alle seine Gefolgsleute vernichtet werden“, erwiderte der Former, der Wildwing zum Sprechen aufgefordert hatte.
„Das mag stimmen, aber es würde auch alles Leben auf diesem Planeten zunichtemachen, und es wäre viel unschuldiges Leben dabei“, erwiderte der weiße Erpel. „Hört zu, mein Team und ich kämpfen schon lange erfolgreich gegen Draganus. Wir verhindern, dass er Schaden anrichtet. Und eines Tages werden wir ihn schnappen. Wir vermeiden unschuldige Opfer, so weit es geht. Und bis jetzt haben wir das ganz gut hinbekommen.“
„Ja, das stimmt“, erwiderte B.R.A.W.N.. „Das haben sie mir beigebracht. Wenn Unschuldige zu Schaden kommen, macht uns das nicht besser als den Saurian Overlord selbst.“
„Bitte lasst uns die Möglichkeit, unsere Mission zu beenden“, fuhr Wildwing fort. „Lasst uns den Kampf im Sinne von Drake DuCaine weiterführen.“
Die vier Former sahen sich an. Sie sagten kein Wort, nickten aber nach einer Weile.
„Du versprichst uns, dass ihr den Kampf fortführen werdet?“, fragte der weiblich klingende Former.
Wildwing nickte. „Wir werden niemals aufgeben. Das verspreche ich Euch.“
Wieder sahen sich die Former kurz an.
„In Ordnung“, sagte ein Former, der zuvor noch nicht gesprochen hatte. „Wir ziehen uns wieder zurück.“
„Ich danke Euch!“, sagte Wildwing.
Ein neues dimensionales Tor öffnete sich, diesmal in Bodennähe, und langsam flog die Plattform mit den Formern hindurch. Auch die B.R.A.W.N.s setzten sich in Bewegung und schritten durch das Tor. Mallory hob B.R.A.W.N.s Kopf zu ihrem Gesicht.
„Tja, wie es aussieht, heißt es nun Abschied nehmen“, sagte die rothaarige Ente. „Ich wünsch dir alles Gute.“ Sie lächelte. „Howie.“
B.R.A.W.N. lachte. „Danke, Mallory!“ Dann wandte er sich an die anderen Enten. „Macht’s gut, Freunde!“
„Ganz bestimmt“, erwiderte Wildwing.
Mallory übergab den Roboterkopf an Sizzle.
„Tja, dann sag ich auch mal Lebewohl“, sagte der Loperianer. Er winkte den Enten zu und wollte schon davonhüpfen, doch dann hielt er inne. Er machte einen Sprung zu Wildwing hin.
„Ach ja, das soll ich dir geben, wenn du es schaffst, die Zerstörung der Erde abzuwenden“, erklärte Sizzle und zog einen Zettel aus der Hosentasche, den er Wildwing gab. „Also dann, tschüss, Leute!“, rief Sizzle und hüpfte zu dem dimensionalen Tor und hindurch. Sogleich schloss sich dieses.
Die Enten sahen sich um und erkannten, dass immer noch Hunterdrones um sie herum standen, doch auf einmal verschwanden diese. Draganus musste sie zurückgerufen haben.
Fast zeitgleich starteten die Motoren der Raptor, und diese flog davon, um sich ein neues Versteck zu suchen.
„Aber Boss!“, protestierte Chameleon. „Wir hätten die Enten doch jetzt plattmachen können!“
Draganus warf ihm einen bösen Blick zu. „Nicht heute!“, knurrte er.
„Aber Boss…“
„Ich sagte: Nicht heute!“, brüllte Draganus.
„Also, okay, verstanden. Nicht heute“, antwortete Chameleon und scharrte verlegen mit dem Fuß auf dem Boden. „Dann eben morgen.“
Draganus ließ sich zurück in seinen Thron sinken und starrte geradeaus ins Leere.

Die Enten sahen der Raptor nach, als sie in der Ferne verschwand.
Dann erst blickte Wildwing auf den Zettel in seiner Hand. Er faltete ihn auf und las, was dort geschrieben stand:

Wildwing, wenn du diese Nachricht liest, hast du es geschafft, die Former von ihrem Vorhaben abzubringen. Ich wusste, dass du das hinbekommst. Gratuliere! Ich bin mir sicher, dass wir uns schon bald wiedersehen werden.
Wehr weiterhin alles ab, was Draganus dir um die Ohren haut.
Canard

Wildwing las die Nachricht ein zweites Mal, ein drittes Mal, dann ein viertes Mal.
„Yo, Bruder, ist alles in Ordnung?“, fragte Nosedive besorgt.
Wildwing sah seinen Bruder nicht an, sondern stieß stockend hervor: „Canard…lebt.“

Ende der dreizehnten Episode

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