Episode 11: TNT

Die Muskeln in dem braun gefiederten Arm spannten sich an, als er den gefesselten Wachmann in eine Ecke warf.
Der Arm gehörte zu Thomas McBeak, einem Raubvogel. Seine Ähnlichkeit mit Falcone beschränkte sich allerdings auf die Gefiederfarbe und den gebogenen Schnabel. Ansonsten war Thomas eher eine Falkenversion von Grin, ein richtiger Muskelprotz eben.
Sein Bruder Nicholas war eben an den Tresorraum herangetreten. Er wiederum war nicht wirklich muskelbepackt, eher ein sehniger Typ. Er trug wie immer sein elektronisches Visier. Er betrachtete die hermetisch abgeriegelte Tür des Tresorraums und betätigte einen Knopf an der linken Seite des Visiers. Bunte Lichter blinkten auf der schwarzen Fläche auf, verblassten dann. Nicholas tippte mit seiner rechten Hand etwas in sein Analysegerät, einen kleinen Computer, Tanyas Multiwerkzeug nicht unähnlich, den er am linken Unterarm trug. Dann hob er den linken Arm, und aus seinem Analysegerät wurde ein Abbild der Tresortür an die Wand projiziert, allerdings an manchen Stellen mit roten Punkten versehen. Nicholas bewegte den Arm so, dass sich die Projektion direkt über die Tür legte.
Thomas trat nach vor und befestigte genau an diesen Punkten kleine schwarze Geräte. Dann trat er zurück. Auch Nicholas ging ein paar Schritte zurück. Anschließend drückte er einen Knopf auf seinem Analysegerät, und ein leiser Knall war zu hören, von den kleinen schwarzen Geräten oder besser gesagt von dem, was von ihnen noch übrig war, stieg Rauch auf, und es bildeten sich Rissen in der Wand. Nicholas nickte seinem Bruder zu. Dieser trat nach vorne, hob den rechten Arm und schlug mit der Faust gegen die Tür, die nun einfach nach innen kippte. Thomas betrat das Innere des Tresorraums und sah sich grinsend ob des ganzen Geldes um.
Nicholas warf ihm einen Sack zu, den dieser schnell mit der Beute befüllte.
„Ihr habt noch zwei Minuten“, meldete sich da ihre Schwester Tamara über Funk.
„Wir brauchen nur mehr eine“, erwiderte Nicholas. „Mach dich bereit, Schwesterherz.“
Während Thomas die Beute schulterte, trat Nicholas noch zum Tresorraum und schrieb etwas an die Wand, dann verließen die beiden das Gebäude.
Draußen hoben beiden den Blick, und schon senkte sich eine Strickleiter zu Boden, die zu einem kleinen Jet führte, den Tamara, eine junge, schlanke Falkendame mit langem Haar, das sie zu zwei Zöpfen geflochten trug, flog. Sie wartete, bis ihre beiden Brüder die Strickleiter erklommen hatten und ließ den Flieger dann langsam steigen.

Bei ihrem Versteck – einem alten, verlassenen Gebäudekomplex – angekommen landete Tamara den Flieger. Sofort verließen die Geschwister den Jet. Tamara und Thomas lachten ausgelassen, während Nicholas ihnen ruhig folgte. In einem großen Raum, den sie zu einer Art Wohnzimmer umfunktioniert hatten, machten sich Tamara und Thomas sofort über die Beute her. Nicholas jedoch setzte sich ruhig auf die Couch und gab allerlei Daten in seinen Unterarmcomputer ein.
In diesem Moment erklang plötzlich eine Stimme. „Schön, dass ihr eure Gewohnheiten nicht geändert habt.“
Die drei Raubvögel sahen sich um. Da stand Siege und kam langsam auf die drei zu.
„He, was willst du hier, Schuppenprotz?“, fragte Tamara und warf ihre Zöpfe zurück. „Ich dachte, wir wären fertig.“
„Tut mir Leid, dich enttäuschen zu müssen, meine Liebe“, sagte da Wraith, der plötzlich in einer Rauchwolke hinter Tamara auftauchte und sie packte.
Siege betätigte seinen Teleporter, tauchte neben Thomas wieder auf und packte diesen ebenfalls. Und auf einmal war da auch noch Chameleon und schnappte sich Nicholas. Siege drückte rasch einen Knopf, und fast im selben Augenblick wurden die sechs von einem Wirbelsturm gepackt und in ein Portal gezogen.

Verwirrt sahen sich die drei Raubvögel um, als sie sich auf einmal auf dem Boden der Kommandobrücke der Raptor wiederfanden, als das Portal sie wieder ausspuckte, umzingelt von Hunterdrones.
Draganus saß auf seinem Thron und sah auf die drei hinab. Seine Handlanger hatten sich bereits zurückgezogen und zu den Hunterdrones gesellt.
„Ah, meine Freunde“, sagte Draganus grinsend. „Wie schön, euch wiederzusehen. Und herzlich willkommen auf der Erde.“
„He, du Grinsebacke“, sagte Tamara zu ihm, als sie sich aufrappelte. „Was soll das hier?“
„Nun“ – Draganus verschränkte seine Finger und lehnte sich lässig in seinem Thron zurück – „ich würde gerne wieder eure Dienste in Anspruch nehmen.“
Thomas lachte. „Jetzt? Früher, okay, da hattest du Puckworld erobert, aber jetzt wirst du uns kaum bezahlen können.“
„Oh, ich bin mir sicher, dass wir uns diesbezüglich einig werden können“, antwortete Draganus grinsend.

„Feuerwerk! Feuerwerk!“, sang Nosedive vor sich hin, als er sein Frühstücksgeschirr abräumte.
Mallory zog eine Augenbraue hoch, als sie ihn ansah. „Nosedive, es ist nur ein Feuerwerk.“
Der blonde Erpel sah sie verwirrt an. „Eben, Mallory!“, sagte er überschwänglich. „Ein Feuerwerk! Ein FEUERWERK!“
„Jaja“, winkte Mallory ab. „Ich hab’s kapiert.“
„Und was gibt es auf diesem Stadtfest sonst noch so zu sehen?“, fragte Andrea und nahm einen Schluck aus ihrer Kaffeetasse.
„Oh, Schießbuden!“, erklärte Nosedive. „Und ein Riesenrad! Eine Achterbahn Und natürlich…“ – er machte eine kurze Pause – „das FEUERWERK!“
Andrea musste lachen. Nosedive freute sich offensichtlich wie ein kleines Küken.
„Ihr könnt euch gerne dort amüsieren“, sagte Wildwing. „Aber es wäre gut, wenn ihr einsatzbereit bleibt. Wir wissen nicht, was den Sauriern so einfallen könnte. Und bei einer solchen Menschenmenge ist das sicher nicht gerade wenig.“
In diesem Augenblick ging der Alarm los.
„Und offensichtlich üben sie schon mal“, erwiderte der Teamcaptain seufzend.

Als sie wenig später den Ort, den Drake One ihnen angezeigt hatte, erreichten, sahen sie sich zuerst verdutzt um.
Sie befanden sich vor einem Juweliergeschäft. Und auf den ersten Blick viel ihnen nichts Besonderes auf – außer dass Captain Klegghorn vor dem Geschäft stand, und der interessierte sich bestimmt nicht für Schmuck.
Die Enten traten näher und sahen noch etwas Merkwürdiges. Selbst wenn Klegghorn doch wegen des Schmucks hier sein sollte, so gab es nichts, was er sich hätte ansehen können. Die Auslagen waren leer.
„Was ist passiert, Captain?“, fragte Wildwing.
„Seht ihr das nicht?“, fuhr der kleine Polizist ihn an. „Das Juweliergeschäft wurde ausgeraubt! Einfach die Glasscheiben weggesprengt! Und das Beste – es hat nicht mal geklirrt, sagt der Angestellte. Die Glasscheiben sind einfach zu Staub zerfallen!“
Die sieben Enten sahen zu Boden. Und tatsächlich – eine Schicht weißen Pulvers hatte sich dort gesammelt.
„Aber… wie soll das gehen?“, fragte Wildwing.
„Das würde ich auch gern wissen!“, gab Klegghorn zurück.
Tanya hatte bereits mit der Untersuchung des Pulvers begonnen, wandte sich kurz darauf der Auslage zu. Sie kratzte etwas ab. „Es sieht mir nach einer Art Sprengstoff aus“, erklärte sie. „Hier waren die Zünder angebracht. Aber diese Substanz muss ich erst genauer analysieren. Auf die Schnelle fällt mir nichts ein, was so gezielt bloß die Scheibe wegsprengen könnte.“
„Hat der Angestellte irgendetwas gesehen?“, fragte Mallory.
„Ja, ein paar komische Gestalten sind hier herumgelaufen“, erklärte Klegghorn. „Der Angestellte meinte, es seien frühe Ausläufer des Stadtfestes – ein paar Spaßvögel, die sich verkleidet hatten.“
„Verkleidet?“ Mallory zog eine Augenbraue hoch.
„Ja, das dachte er zumindest“, war die Antwort. „Sie hatten nämlich Schnäbel.“
„So wie wir?“, fragte Duke.
„Nein“, erklärte der Polizist. „Er sagte, sie seien eher gebogen gewesen.“
Die Enten sahen sich verwirrt an, sahen sich dann aber auch etwas genauer um.
„TNT“, sagte da auf einmal Nosedive.
„Ach, Unfug, Nosedive“, gab die Technikerin zurück. „Das war nie im Leben TNT.“
„Aber das steht da an der Wand“, erklärte der blonde Erpel und deutete mit dem Finger auf die Stelle.
Die anderen sechs Enten traten näher und sahen sich das genauer an. Und wirklich – da stand deutlich „TNT“.
„Die McBeaks“, entfuhr es Mallory.

Mallory hatte ihre Teamkameraden für eine weitere Erklärung auf später vertröstet. Nun hatten sich die sieben Enten im Gemeinschaftsraum versammelt. Die rothaarige Ente stand vor ihren Freunden, die es sich auf der Couch ein wenig bequem gemacht hatten.
„Also“, begann sie, „die McBeaks – das sind Thomas, Nicholas und Tamara McBeak, genannt TNT, ihres Zeichens Sprengstoffexperten. Ich hatte damals beim Militär ein paar Mal mit ihnen zu tun. Für den entsprechenden Preis jagen sie alles nur Erdenkliche auf jede nur erdenkliche Art in die Luft. Und sie hinterlassen immer dieses Zeichen, das Nosedive vorhin entdeckt hat.“
„Und wie kommen sie hierher?“, fragte Andrea.
„Nun ja, ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und würde sagen, Draganus hat sie hergebracht“, erwiderte Mallory. „Immerhin haben sie ihn auch während der Invasion unterstützt – solange er sie entsprechend entlohnt hat.“
„Okay, verstehe“, sagte Duke. „Aber hier auf der Erde verfügt Draganus doch nicht über das entsprechende Vermögen.“
„Das wundert mich auch“, gestand Mallory und verschränkte die Arme vor der Brust. „An Macht sind sie nicht interessiert, nur an Geld – und ihrem Spaß.“
„Und die sind wirklich so gut?“, fragte Nosedive.
„Dive, die könnten dir die Couch unter dem Bürzel wegsprengen, und du würdest es erst merken, wenn du auf einmal auf dem Boden sitzt“, erklärte Mallory.
„Wie dem auch sei“, sagte Wildwing. „Jedenfalls sind sie jetzt hier. Und das heißt, sie sind nun unser Problem.“

Besagte drei Raubvögel teilten gerade auf der Raptor ihre Beute auf – oder besser gesagt, Thomas und Tamara hockten auf dem Boden und bestaunten die Wertgegenständen. Tamara setzte sich gerade ein Diadem auf und sah dann zu Nicholas hin, der an der Wand lehnte und wieder Daten in sein Analysegerät tippte.
„Schau mal, Nicholas“, sprach Tamara ihren Bruder an und richtete sich ganz gerade auf, um huldvoll auf den Boden vor ihr hinabzublicken. „Wie eine richtige Prinzessin.“
„Jaja“, gab Nicholas zurück, ohne jedoch aufzusehen. „Sehr hübsch.“
„He!“, protestierte Tamara und zog einen Schmollschnabel. „Du hast gar nicht hergesehen.“
„Ich suche unser nächstes Ziel“, erklärte Nicholas. „Laut Draganus gehört alles, was wir bis zum eigentlichen Auftrag erbeuten, uns. Also haben wir keine Zeit zu verlieren.“
Tamara zuckte mit den Schultern und wandte sich dann wieder ihrem anderen Bruder zu, der sie anlächelte.
„Nicholas und die Arbeit, das kennst du doch, Schwesterchen“, sagte er freundlich. „Ja“, seufzte Tamara.
„Und ich habe schon was gefunden“, sagte da Nicholas und stieß sich von der Wand ab. „Nehmt euer Zeug.“

Wenig später schlug auch Drake One Alarm. Die Enten stürmten in den Computerraum. "Ein Einbruch in der Innenstadt", erklärte Tanya.
"Zum Migrator!", befahl Wildwing, und die Ducks stürmten los.

Als sie wenig später den Tatort erreichten, lugte Nosedive vorsichtig in das Gebäude, genauer gesagt in einen langen, leeren Gang.
"Ob die Einbrecher noch da sind?", fragte er.
Auf einmal wurde ein Laser in seine Richtung abgefeuert, und der blonde Erpel sprang rasch zurück.
"Ein einfaches 'Ja' hätte genügt", knurrte er.
Wildwing sah sein Team an und gab ein paar Anweisungen. "Andrea, Mallory, Grin, ihr geht um das Gebäude rum und schneidet ihnen den Fluchtweg ab. Der Rest geht mit mir vorne rein."
Während sich Andrea, Mallory und Grin um das Gebäude schlichen, betätigte Wildwing seinen Eisschild. Die anderen drei blieben hinter ihm, als sie ihm in den Gang folgten. Der weiße Erpel wehrte die Laserschüsse ab, bis sie das Ende des Ganges erreicht hatten und alle sich neben der Tür an die Wand drücken konnten.
Vorsichtig lugte Wing nach vorne, doch diesmal wurde nicht gleich auf ihn geschossen.
Verdutzt drückte er sich wieder an die Wand.
"Die haben aber schnell aufgegeben."
Währenddessen erreichten Mallory, Andrea und Grin den hinteren Teil des Gebäudes, das gerade von den McBeaks durch die Hintertür verlassen wurde.
"Die werden gleich ihr blaues Wunder erleben", kicherte Tamara.
Thomas lachte ebenfalls, als er ins Freie trat, einen Sack über der Schulter.
Nicholas folgte gemächlich. Er ging ein paar Schritte und wollte dann einen Knopf an seinem Unterarmcomputer drücken, doch etwas traf ihn an der Schulter.
Verdutzt sah er auf und sah Mallory, die mit gezückter Puckkanone dastand.
"He, du Ziege!", rief Tamara und zückte ihren Laser.
Nicholas wollte es noch einmal versuchen, doch diesmal traf ihn Andreas Bumerang-Puck an der Schulter.
Thomas eilte seinem Bruder zu Hilfe, wurde aber von Grins Bodycheck aus der Bahn geworfen.
Tamara rückte, weiterhin ihren Laser abfeuernd, dessen Schüssen Mallory geschickt auswich, immer näher an die rothaarige Ente heran, bis sie schließlich nah genug war, um Mallory direkt anzugreifen. Rasch steckte sie den Laser weg und verpasste ihrer Gegnerin lachend einen Kick gegen die Schulter. Mallory konnte die Wucht zwar etwas abfedern, ließ aber ihre Puckkanone fallen.
"Na, dann heißt es du gegen mich", stellte Tamara lachend fest und warf ihre Zöpfe zurück. "Zeig, was du drauf hast, Entchen!"
Nicholas versuchte immer noch, den Knopf zu drücken, wurde aber von Andreas ständigen Attacken daran gehindert.
"Verdammt, kannst du mal Ruhe geben?", fragte er schließlich genervt.
Im Hintergrund lieferten sich Grin und Thomas, die beiden Giganten, ein Hand- oder besser gesagt Faustgemenge.
Mittlerweile hatten auch das restliche Team den Hintereingang erreicht und mischte sich in den Kampf.
Die McBeaks wurden etwas zurückgedrängt.
"Na, werden wir ein bisschen unfair?", fragte Tamara angesichts der Übermacht der Ducks, allerdings immer noch grinsend.
"Was will Draganus von euch?", fragte Wildwing, als er Andrea half, Nicholas in die Mangel zu nehmen.
"Das werden wir dir sicher nicht verraten, Weißfeder!", rief Nicholas lachend.
In diesem Augenblick war das Geräusch von Teleportern zu hören und neben den McBeaks tauchten Siege, Chameleon und Wraith auf, die schnell jeweils einen der drei packten und ihre Teleporter wieder betätigten.
Im Verschwinden winkte ihnen Tamara noch grinsend zu. "Bye-bye!"
Und Nicholas drückte endlich mit einem Seufzen den Knopf, ehe auch er verschwand.
Die Ducks sahen sich an und warfen sich reflexartig zu Boden. Und schon war ein Knall zu hören, das Gebäude hinter ihnen fiel in sich zusammen, und eine riesige Staubwolke rollte über sie hinweg.

Als die Ducks später den Computerraum erreichten, waren sie alle von einer Staubschicht bedeckt.
"Mann!", maulte Nosedive und versuchte, sich den gröbsten Staub aus den Haaren zu schütteln, was wiederum Mallory Staub in den Schnabel trieb und diese niesen ließ. Der blonde Erpel bekam das aber gar nicht mit, sondern sagte mehr reflexartig "Gesundheit!", ohne sich jedoch umzudrehen, sodass er Mallorys bösen Blick gar nicht bemerkte.
"Ich werd dann mal duschen gehen", sagte er. "Das Stadtfest fängt bald an."
Die Anderen nickten ebenfalls und zogen sich in ihre Zimmer zurück.

Als zwei Stunden später - es wurde langsam dunkel - das Stadtfest eröffnet wurde, waren die Ducks mit von der Partie. Alle sieben trugen sie ihre Freizeitkleidung und mischten sich unter's Volk. Tanya war losgezogen, um sich etwas Zuckerwatte zu holen, Mallory hatte sich - selbstverständlich nur zum Spaß - auf den Weg zu einer Wahrsagerin gemacht, Duke fischte bereits das dritte Stofftier aus diesem Greifarme-Automaten und schenkte es an eines der Kinder, die ihn umringten, weiter, Grin versuchte sich im Armdrücken gegen den so genannten stärksten Mann von Anaheim, der schon ziemlich verschwitzt versuchte, Grins Arm nach unten zu drücken, was der graue Erpel aber nicht mal mitzubekommen schien, Andrea und Nosedive hatten sich bei der Achterbahn angestellt, und Wildwing sah sich einem verzweifelten Schießbudenbesitzer gegenüber, den er eben um seinen Hauptpreis gebracht hatte, da der weiße Erpel mit dem ersten Wurf alle Dosen abgeräumt hatte. "Es tut mir Leid, Sir", sagte der Teamcaptain entschuldigend, "ich mache das wirklich zum ersten Mal."
Nosedive war richtig überdreht und sah immer wieder nach vorne, ob sie denn endlich drankämen.
"Macht schneller!", schimpfte er vor sich hin. "Dann schaffen wir es vielleicht noch, vor dem Feuerwerk zweimal zu fahren!"
Andrea schüttelte grinsend den Kopf, doch dann kam ihr ein Gedanke. Feuerwerk...
Auf einmal packte sie Nosedive am Arm und zog ihn mit sich davon. Der Erpel protestierte heftig. "Andie, was soll denn das?! Wir waren fast dran!"
Doch die braunhaarige Ente ignorierte ihn, startete stattdessen ihr Funkgerät.
"Leute, alle mal herhören!", sagte sie. "Wir treffen uns sofort beim Vorplatz des Riesenrades. Mir ist da grade was eingefallen."
Die Anderen machten sich sofort auf den Weg und trafen kurz nach Nosedive und Andrea am Treffpunkt ein.
"Also, was gibt es?", fragte der Teamcaptain.
"Okay, also wir wissen, dass Draganus diese TNT-Irren aus einem bestimmten Grund hergeholt hat", erklärte Andrea.
"Ja, weiter", sagte Nosedive. "Wir kennen alle das Drehbuch."
"Und wie kann man eine Explosion besser kaschieren als mit einem Feuerwerk?", fuhr Andrea unbeeindruckt fort.
Die Anderen sahen sie überrascht an.
"Draganus weiß bestimmt von dem Stadtfest und daher auch, dass wir abgelenkt sein werden", sagte Wildwing.
"Ja, aber damit wissen wir immer noch nicht, wo er zuschlagen will", warf Duke ein.
"Tanya", sprach Wildwing die Technikerin an, "kannst du uns einen Plan der Umgebung des Stadtfestes zeigen?"
Tanya wechselte in ihren Kampfanzug und erzeugte mit ihrem Multiwerkzeug ein Hologramm, das eine Karte der Umgebung zeigte. "Also, da wären das Rathaus, die Grundschule, die Stadtbibliothek." Sie schüttelte den Kopf. "Mit anderen Worten nichts, womit Draganus etwas anfangen könnte." Sie stutzte und deutete auf einen Fleck auf dem Hologramm. "Allerdings ist hier das Stadion."
Die anderen Enten sahen sich an und wechselten augenblicklich in ihre Kampfanzüge.

Kichernd huschte Tamara zur Außenwand des Stadions und befestigte ein kleines, rechteckiges Gerät daran.
„10 Zentimeter weiter nach rechts, Schwesterchen“, meldete sich da Nicholas‘ Stimme über Funk.
Tamara verdrehte die Augen, tat dann aber, wie ihr geheißen, und als das Gerät so saß, wie Nicholas das wollte, kicherte sie schon wieder.
„Die werden ihr blaues Wunder erleben, wenn sie nach Hause kommen“, lachte sie, zog dann ein langes Gesicht und sprach mit verstellt wimmernder Stimme: „Wo ist unser Zuhause denn hin?“ Dann lachte sie laut.
„Und wenn du dich nicht beeilst, kommen sie nach Hause und es steht noch“, wies Nicholas sie zurecht.
„Jaja, schon gut.“ Tamara huschte weiter. „Wo sollen wir denn unser Zeichen anbringen, wenn von dem Gebäude bis runter zum Versteck dieser komischen Vögel nichts übrigbleibt?“
„Ich lass mir was einfallen“, erwiderte Nicholas’ Stimme. „An die Arbeit!“
„Zu Befehl!“, erwiderte Tamara grinsend und salutierte. Dann wollte sie den nächsten Sprengsatz anbringen, doch auf einmal schlug an der Wand ein Puck ein. Tamara wandte ihren Kopf und sah Nosedive, der mit einer Puckkanone auf sie zielte.
„He, Heidi“, sagte er in Anspielung an ihre Zöpfe. „Weg von meinem Zuhause.“
Tamara warf ihre Zöpfe zurück und sah den Erpel herausfordernd an. „Verschwinde und such dir nen Architekten!“ Mit diesen Worten holte sie ihre Laserkanone hervor und schoss auf Nosedive, der auswich und dann das Feuer erwiderte.
Tamara bemerkte nicht, dass sich Mallory von hinten an sie heranschlich und ihr schließlich die Laserkanone aus der Hand schlug.
„He, Rotschopf!“, protestierte die Falkendame. „Geht’s dir noch gut?“
„Bestens!“, erwiderte Mallory und wich rasch einem Tritt von Tamara aus.
Auf der anderen Seite des Gebäudes waren Wildwing und Grin gerade dabei, Thomas vom Befestigen eines weiteren Sprengsatzes abzuhalten – unter tatkräftigten Körpereinsatz. Sie hatten Thomas‘ Körperkräfte wohl etwas unterschätzt, denn der Falkenriese schaffte es tatsächlich, beide in Schach zu halten.
Nicholas stand abseits des ganzen Geschehens.
„Tamara, Thomas! Was ist da los?“, fragte er bei seinen Geschwistern per Funk nach.
„Ach, die Entendichte hier hat sich schlagartig erhöht“, erwiderte Tamara, die sich in einen Kampf mit Mallory verwickelt sah. Nosedive hatte mittlerweile das Feuer eingestellt. Immerhin wollte er Mallory nicht treffen.
„Bestätigte!“, sagte Thomas. „Ich hab hier auch so Federvieh an mir kleben.“ Und mit diesen Worten schleuderte er Wildwing, der ihm auf den Rücken gesprungen war, von sich.
„Wie viele Sprengsätze sind dran?“, fragte Nicholas.
„Acht bei mir“, antwortete Tamara.
„Bei mir sind’s sechs“, antwortete Thomas.
„Okay, zieht euch zurück“, befahl er seinen Geschwistern.
Thomas und Tamara zögerten nicht lange. Thomas wehrte einen Angriff Wildwings so heftig ab, dass dieser gegen Grin geschleudert wurde, der große Erpel das Gleichgewicht verlor und beide unsanft auf dem Boden landeten. Dann warf der muskulöse Falke ihnen noch eine Rauchgranate vor die Füße und rannte davon. Tamara gestaltete ihre Flucht ähnlich, und wenig später trafen die beiden beim Treffpunkt ein.
„Okay, starten wir unser eigenes kleines Feuerwerk“, sagte Nicholas grinsend.
„Das würde ich mir noch einmal überlegen“, war da eine männliche Stimme zu hören, und Duke, gefolgt von Andrea und Tanya, trat auf die drei zu.
Er hielt einen Beutel hoch.
„Was wollt ihr? Euch freikaufen?“, fragte Tamara giftig. „Sorry, aber Draggy hat mehr zu bieten.“
„Eigentlich nicht“, gab der graue Erpel zurück und warf Nicholas den Beutel zu. „Wir wollten euch nur etwas zurückgeben, das euch gehört.“
Nicholas öffnete den Beutel und erkannte darin die Sprengsätze. „Wie habt ihr…?“
„Ach, erstens kenne ich mich ganz gut aus, wo man solche Sprengsätze am Besten anbringt“, erklärte Tanya. „Zweitens können die zwei hier so ziemlich alles ungesehen abmontieren, und drittens, na ja, es ist unsere Serie.“ Sie zuckte mit den Schultern.
Tamara fauchte, doch dann war das Geräusch von Teleportern zu hören. Wie schon beim letzten Mal erschienen Siege, Wraith und Chameleon. Doch diesmal schienen die McBeaks doch überrascht von ihrem Auftritt zu sein, und auch wurden sie gepackt, anstatt dass die Saurier ihnen einfach eine Hand auf die Schulter legten. Und mit dem wohlbekannten Geräusch verschwanden sie wieder.
„Und weg sind sie“, kommentierte Duke das Geschehen. „Wieder mal.“
In dem Augenblick kamen auch Wildwing, Mallory und Nosedive dazu.
„Na ja, halb so wild“, sagte Nosedive und drehte sich in Richtung Innenstadt.
Gerade explodierte der erste Feuerwerkskörper bunt am Nachthimmel. „Wenigstens schaffen wir es so noch zum besten Teil des Feuerwerks!“ Und schon rannte er los. Die Anderen folgten ihm gemächlich.

Auf der Brücke der Raptor wurden die drei McBeaks brutal zu Boden geworfen.
„Sie haben versagt, Lord Draganus!“, erklärte Siege.
Der Saurian Overlord knurrte und wollte sich von seinem Thron erheben.
„Das würd ich mir noch mal überlegen“, sagte Tamara zu ihm.
„Wie meinen?!“, brüllte Draganus.
„Na ja, willst du unbedingt in die Luft fliegen?“, fragte der weibliche Teil der McBeaks. „Nicholas hat ne Bombe in deinem Thron versteckt. Sie wird scharf gemacht, wenn du dich setzt, und geht hoch, wenn du aufstehst.“
„Es sei denn“, erklärte Nicholas und nahm eine kleine Fernbedienung aus seiner Tasche, „man kennt die Kombination für dieses Ding hier, um die Bombe zu deaktivieren.“
Draganus knurrte wieder.
„Tu einem von uns was, und du kannst den Rest deines Lebens da hocken bleiben“, sagte Thomas.
„Oder aber du bringst uns zurück nach Puckworld“, fügte Nicholas hinzu.
„Einverstanden“, erwiderte Draganus, auch wenn es ihm einige Mühe zu bereiten schien. „Bereitet ein dimensionales Tor vor.“
„Gutgut“, sagte Nicholas. „Dein grüner Freund hier“ – er deutete auf Chameleon – „soll uns begleiten. Und wenn du uns brav nach Puckworld und nicht doch irgendwo anders hinschickst, geb ich ihm die Fernbedienung samt Kombination.“
Wieder kämpfte Draganus offensichtlich darum, ihnen nicht irgendwelche „Nettigkeiten“ zuzubrüllen, und sagte stattdessen ruhig: „In Ordnung.“

Einige Zeit später stürmte Chameleon auf die Brücke der Raptor.
„Boss! Alles glatt gegangen“, rief er dem Overlord zu. „Ich hab Fernbedienung und Code. Nur auf Puckworld musste ich sie tatsächlich abliefern. Aber egal, ich rette dich!“ Er stellte sich vor dem Thron auf. „Also gut, das war 1-2-3.“ Er drückte die entsprechenden Knöpfe.
Plötzlich rauchte es unter dem Thron. „Chameleon, du….!“, konnte Draganus gerade noch brüllen, ehe links und rechts Fontänen von Luftschlangen und Konfetti nach oben schossen und Draganus von oben bis unten bedeckten.
„Ich fass es nicht!“, brüllte dieser. „Diese vermaledeiten McBeaks! Wie können sie es wagen! Chameleon, komm‘ sofort hierher!“
„Ach, nein, Boss“, erwiderte das grüne Wese und ließ die Fernbedienung fallen. „Mir ist grad eingefallen, ich hab die Kaffeemaschine nicht ausgeschaltet.“ Dann ergriff er wohlweislich die Flucht.
„Komm‘ zurück!“, brüllte Draganus ihm nach. „Komm‘ sofort zurück!“

Ende der elften Episode

Kommentieren