Dämonen der Nacht

Er lag vor ihr auf einem Krankenhausbett, sie konnte ihn nicht klar sehen, aber sie wusste, dass er es war.
„Alec!“, rief sie, aber er rührte sich nicht.
Nur zwei Schritte trennten sie von ihm. Sie rannte und rannte, aber sie kam einfach nicht vorwärts. Der Abstand blieb gleich, egal wie schnell ihre Beine sich bewegten.
Noch einmal rief sie nach ihm, streckte die Hand aus, um ihm wenigstens ein paar Zentimeter näher zu kommen, doch seine Umrisse lösten sich auf, sein ganze Gestalt versank in der Dunkelheit.

Keuchend schreckte Andrea aus ihrem Traum hoch. Sie setzte sich auf, zog die Knie an, schlang die Arme darum und stützte ihre Stirn auf die Knie. Ihr Herz pochte wie wild, und in dieser Position konnte sie es noch deutlicher spüren.
Selbst als sie eine Bewegung neben sich spürte, rührte sie sich nicht. Duke war ebenfalls aufgewacht.
Der graue Erpel rückte näher zu seiner Liebsten, legte sanfte beide Hände auf ihre Schultern und zog sie mit sich, als er sich mit dem Rücken an das Kopfende des Bettes gelehnt hinsetzte. Er schlang seine Arme um Andrea und drückte sie fest an seine Brust. Die braunhaarige Ente schmiegte sich an ihn, sog seinen Geruch ein. Das alleine bewirkte, dass sich ihr Herzschlag langsam beruhigte.
„Na, besser?“, fragte der Erpel sanft, als auch er bemerkte, dass sie ruhiger wurde.
„Immer, wenn du da bist“, erwiderte Andrea leise.
Duke lächelte. „Ich bin froh, dass ich dir wenigstens so helfen kann. Deine Alpträume kann ich ja leider nicht vertreiben.“
Andrea seufzte. „Es tut mir Leid, dass ich dich damit immer um den Schlaf bringe.“
„Unsinn!“, erwiderte Duke. „Ich habe dir doch schon gesagt, dass es mir nichts ausmacht. Außerdem wachst du auch immer auf, wenn ich schlecht geträumt habe. Wir spüren einander eben.“
Andrea lächelte leicht. „Ja, das stimmt wohl.“
„Weißt du noch, ganz zu Anfang, da hast du dich immer aus dem Schlafzimmer geschlichen, weil du Angst hattest, mich zu wecken?“
„Ja, aber du warst sowieso immer schon wach. Und dann bist du mir nachgekommen, hast mich einfach ins Bett zurückgeholt und gehalten, wie du es jetzt auch machst. Manchmal glaube ich, du wirst sogar schon wach, noch ehe ich aus meinen Träumen hochschrecke.“
„Ich glaube, es liegt einfach irgendetwas in der Luft, das mich spüren lässt, dass dich etwas im Schlaf plagt.“
„Bei mir ist es genauso“, erwiderte Andrea. „Du weckst mich auch nie, wenn du aus einem Alptraum aufwachst. Und ich wache da auch ganz anders auf. Ich weiß einfach, dass du mich jetzt brauchst. Es ist nicht so, als würde mein Wecker mich wecken. Es ist ganz anders. Ich bin auch nie mürrisch deswegen. Beim Wecker schon.“ Sie lachte leise.
„Na, siehst du“, sagte Duke und lachte ebenfalls kurz. „Da brauchen wir also beide kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn der andere aufwacht.“
Der graue Erpel dachte daran, wie es war, wenn er aus Träumen hochschreckte, und ja, Andrea war auch immer wach. Und immer nach Alpträumen, egal wer von ihnen sie träumte, saßen sie so am Kopfende des Bettes, Duke die Arme um Andrea geschlungen, Andrea dicht an Dukes Brust geschmiegt. Ihr half es nach Alpträumen, gehalten zu werden, seinem Herzschlag zu lauschen, ihm half es, sie zu halten, ihren ruhigen, warmen Körper an sich zu drücken.
Duke seufzte leise. „Wir haben eben beide unsere Dämonen, die uns nachts heimsuchen.“
Andrea hob ihren Kopf. Ihr Blick suchte den seinen. Dann hob sie den Kopf noch ein bisschen an und küsste ihn sanft.
„Nur gut, dass wir wissen, wie wir sie schnell wieder vertreiben“, sagte sie leise, ehe sie sich wieder in seine Umarmung schmiegte.
Duke drückte einen Kuss auf ihr Haar.
„Ja“, murmelte er. „Ja, mein Engel.“

Ende

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